Fragen zur „Soll“ und „Ist“ Besteuerung

Was genau ist die Soll-Versteuerung?

Bei der Soll-Versteuerung werden Rechnungen, die an Kunden gestellt werden und auch Rechnungen, die man z.B. von Lieferanten und Dienstleistern erhält, in der Umsatzsteuer Voranmeldung zum Zeitpunkt des Rechnungsdatums berücksichtigt, egal, ob sie schon bezahlt sind oder nicht.

Was genau ist die Ist-Versteuerung?

Bei der Ist-Versteuerung wird immer der tatsächlich bezahlte Betrag von Rechnungen für die Berechnung der Umsatzsteuer-Voranmeldung herangezogen, und auch erst zum Zahlungszeitpunkt.

Bei der Ist-Versteuerung gehen Unternehmen daher nicht in Vorleistung gegenüber dem Finanzamt.

Ein Beispiel:

Der Gründer/Unternehmer stellt am 30.07. eine Rechnung über 119 EUR brutto. Der Kunde zahlt diese am 10.08. Im Fall der Soll Besteuerung müssen die 19 EUR Umsatzsteuer im Juli erklärt und dann auch im August (mit Dauerfristverlängerung im September) an das Finanzamt abgeführt werden. Völlig unabhängig davon, ob der Kunde die Rechnung bereits gezahlt hat oder nicht.

Im Falle der Ist Versteuerung wird die Umsatzsteuer erst im August erklärt, nachdem sie der Unternehmer bereits vom Kunden eingenommen hat.

Betrifft die Wahl auch die Vorsteuer? (§15 UStG)

Nein, unabhängig davon welche Versteuerungsart gewählt wird, kann die Vorsteuer immer sofort abgezogen werden. Im Unterschied zur Umsatzsteuer, kann ein Unternehmer auch bei der Ist-Versteuerung die Vorsteuer abziehen, wenn eine Rechnung noch nicht bezahlt wurde. Bei der Vorsteuer gilt daher immer das Prinzip des Rechnungsdatums.

Welche Vorteile hat die Ist-Versteuerung?

Für Kleinunternehmer und Existenzgründer ergeben sich aus der Wahl der Ist-Versteuerung vor allem zwei Vorteile:

  • Bessere Liquidität:
    Wer sein Unternehmen nach der Ist-Versteuerung führt, hat im Vergleich zur Soll- Versteuerung einen deutlichen Liquiditätsvorteil. Da die Umsatzsteuer erst dann gezahlt werden muss, wenn der Kunde die Rechnung auch tatsächlich bezahlt hat, kann es nicht passieren, dass das Finanzamt Geld fordert, das man noch gar nicht bekommen hat. Für viele Kleinunternehmer, Selbstständige und Gründer ist das aufgrund der oft schlechten Zahlungsmoral ein Problem sowie ein häufiger Grund für finanzielle Engpässe und führt im schlimmsten Fall sogar zur Insolvenz.
  • Einfachere Buchhaltung:
    Durch das Prinzip des Geldzuflusses bei der Ist-Besteuerung vereinfacht sich auch die Buchhaltung. Die Umsatzsteuer-Voranmeldung kann einfach aus den Geldeingängen auf dem Konto abgeleitet werden.

Wer darf die Ist-Versteuerung nutzen?

Die Wahl zwischen der Ist-Versteuerung und der Soll-Versteuerung ist nicht für alle Unternehmer ohne weiteres möglich. Egal ob Mittelständisches Unternehmen, Kleinunternehmer oder Gründer, für alle gilt grundsätzlich erst einmal das Prinzip der Soll-Versteuerung.

Nur wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Unternehmer einen Wechsel auf die Ist-Versteuerung beantragen. Der Antrag kann aber jederzeit gestellt werden. Es gibt keine einzuhaltenden Fristen oder spezielle Formulare.

In diesen Fällen ist ein Wechsel möglich (§20 UStG):

  • Wenn der gesamte Umsatz des Vorjahres weniger als 500.000 EUR betragen hat
  • Für alle Freiberufler, die Ihren Gewinn mittels der Einnahmen-Überschuss Rechnung (EEÜR) bestimmen. Diese können auch unabhängig von den Umsätzen des Vorjahres immer zur Ist- Versteuerung wechseln.

Wir von Concept Nord helfen Ihnen gern bei der Existenzgründung, bei Ihrem Weg in die Selbstständigkeit und unterstützen im Formular Dschungel. Nutzen Sie unsere langjährige Erfahrung in der Begleitung von Gründern und rufen sie uns an!

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